Ausbildung

Die Ausbildungszeit im Bootsbauerhandwerk beträgt 3 1/2 Jahre. Ein solider Grundstock für das Fachwissen wird den bayrischen Lehrlingen in der Berufsschule im Blockunterricht vermittelt. Um die Ausbildung vielseitig zu gestalten, ist auch Lehrlingsaustausch möglich; das heißt eine zeitweise Ausbildung in einem anderen Betrieb in Bayern.Damit kein Interessent mit falschen Vorstellungen den Beruf des Bootsbauers startet, sollte er sich vorab “objektiv und mit offenen Augen” die Ausbildungsstätten anschauen und mit einer Schnupperlehre testen, ob Struktur, Produkt- und Dienstleistungspalette des Betriebes seinen Vorstellungen entsprechen

Nach der Gesellenprüfung bieten die Meister-Lehrgänge in Lübeck fachbezogenen Unterricht. Kaufmännische sowie berufs- und arbeitspädagogische Prüfungen können bei der jeweiligen örtlichen Handwerkskammer abgelegt werden, da diese Kurse für alle Meisterprüfungen gleich sind. Der Ausbildungsweg läßt sich bis zum Schiffbauingenieur fortsetzen. Das Studium wird in Bremen, Kiel, Aachen, Berlin, Duisburg, Hamburg und Rostock angeboten.

Durch vielseitige Ausbildung in allen Sparten des Bootsbaus wird die Basis der Arbeitsmöglichkeiten vergrößert. Man wird selten einen Beruf finden, der soviel “Anschlußmöglichkeiten” bietet. Hier nur einige Denkanstösse: Bootsmann auf Privatyachten - Marine, Berufsschifffahrt - Binnenschifffahrt - Service- Stationen in Sportboothäfen und Marinas - Segellehrer - Segelmachereien - Schiffbau in allen Sparten - Schreiner, Tischler, Zimmerer - Kunststoffformgeber (Berufsbild der IHK) - Modell- und Formenbau - Flugzeugbau und Raumfahrt - Messe- und Ausstellungsbau - Film- und Theaterbauten - Karosserie-, Fahrzeug- und Wohnwagenbau - Sportartikelhersteller - Industrielle Formgestaltung - Produkt-Design und Entwicklung.

Tatsache ist, dass sich die Bootsbaubranche in den letzten 20 Jahren sehr gewandelt hat. Viele Betriebe haben Neuland betreten und haben sich weitgehend spezialisiert. Marktorientierung und Spezialisierung hatten Umstrukturierung zur Folge. Der Wettbewerb wurde härter und vielschichtig. Leistung und Engagement sind rundum gefragt, bereits beim Auszubildenden. Der Lehrling kann bei entsprechender Motivation als echter Mitarbeiter fungieren. Mit Sicherheit wird mehr gefordert als in anderen Berufen “von der Stange”.


Berufsbild

Als einer der ältesten Handwerksberufe, ist der Bootsbau heute eine Branche, in der High-Tech-Spitzenleistungen und traditionelles Handwerk eng verknüpft sind. Im Umgang mit verschiedensten Materialien (wie Holz, Metall, NE-Metallen und natürlich Verbundwerkstoffen und Kunststoffkombinationen) ist vielseitiges Können gefragt. Man kennt in dieser Sparte selten eintönige Fließbandarbeit, vielmehr sind handwerkliches Fingerspitzengefühl und saubere Arbeit gefragt. Routine reicht nie aus, weil der gesamte Markt sich permanent wandelt und damit konstant gute Anpassungsfähigkeit und schnelles Einfühlungsvermögen der Betriebe verlangt werden.

Egal, ob ein kleines Ruderboot oder Surfbrett, ob Klassenboote zum Regattasegeln, ein Schiff in konventioneller Bauweise oder eine “Rennziege” gefertigt werden, es gibt immer neue Aufgaben zu bewältigen. Aber auch bei der Instandhaltung von Booten, der Restaurierung von Oldtimern, bei Um- oder Ausbauten und Reparaturarbeiten wird neben dem handwerklichen Können immer spezielles Fach- und Sachwissen verlangt. Die Anforderungen des Berufs sind nicht zu unterschätzen, da gerade in den Bereichen Überholung, Unterwasserschifferneuerung und Oberflächenvergütung oft Arbeiten anfallen, die den Bootsbauer physisch wie psychisch erheblich beanspruchen.

Insgesamt 30 mittelständische Unternehmen umfaßt die Branche in Bayern; im Bundesgebiet sind es ca. 370 mit etwa 4.200 Beschäftigten. Pro Jahr beginnen in Bayern ca. 10 junge Leute ihre Ausbildung zum Bootsbauer. Schon diese Zahlen lassen erkennen, dass der Beruf des Bootsbauers echte Eigenständigkeit, Individualität und Faszination ausstrahlt. Der anerkannte Lehrberuf, der mit Sicherheit nicht in einer “Ausbildungsfabrik” beginnt, garantiert jedem Auszubildenden, dass er vom ersten Tag an entsprechend seinen mitgebrachten Fähigkeiten und seinem Engagement “mitmischen” kann. Die Perspektiven für die berufliche Zukunft und das ganzjährige Arbeitsaufkommen sind krisensicherer als in vielen anderen Handwerksberufen.